Aus der frühgeschichtlichen Zeit wissen wir von unserem Ort sehr wenig. Wahrscheinlich ist, dass über den Höhenzug, der zwischen Idarbach und Siesbach in Nord-Süd-Richtung verläuft, also vom Silberich in Richtung Steinkaulenberg, eine Römerstraße verlief. Da die Römer alle Quellen, die in der Nähe ihrer Heerstraßen lagen, benutzten, pflegten und sogar bewachten, ist anzunehmen, dass; damals (um Christi Geburt) schon eine kleine Siedlung oder ein Kastell auf dem „Kremel" entstanden war.
Ganz ohne Zweifel steht fest, dass die auf Flur 1 unserer
Gemarkung gelegene Sielburg, die heute irrtümlich als
„Kirschweiler Festung" bezeichnet wird, ein vorgeschichtlicher
Ringwall ist, der, wie Funde es beweisen, in römischer,
karolingischer und frühmittelalterlicher Zeit weiter
benutzt wurde. Der Name Hettenrodt zeigt aber durch die Endung
„rodt", dass die Entstehung des Dorfes auf
die dritte Siedlungsperiode der Franken zurückzuführen
ist. Professor Dr. Baldes schreibt in seiner geschichtlichen
Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft:
„1262 hatte Ritter Wilhelm von Schwarzenberg daselbst
Leibeigene, wegen denen er Misshelligkeiten mit dem Grafen
von Sponheim hatte, dessen Lehnsmann er war." Ab 1321
kommt der Ort als Hettelrodt und Hettenrodt in den Lehensreversen
des Idarbannes vor und teilte alle Geschicke mit dessen Vorort
Idar.
Heute noch steht unsere Mutterkirche in Idar und keine anderen
Orte des Idarbannes zeigen eine derartige Übereinstimmung
in der Mundart wie Idar und Hettenrodt.
Im Mittelalter war Hettenrodt schon kein reines Bauerndorf
mehr. Die für den Ackerbau nutzbaren Flächen waren
klein und lieferten mit ihrem kargen Boden in Hanglagen geringe
Erträge, die die großen Familien nicht zu sättigen
vermochten. So war neben dem Ackerbau das Gewerbe der Tuchmacher
und Strumpfwirker eine vorherrschende Erwerbsquelle der Bevölkerung,
bis das Schleifereigewerbe im 18. Jahrhundert im Raum Idar-Oberstein
einen bedeutenden Aufschwung nahm. Die Nähe des Steinkaulenberges,
der eine halbe Stunde Fußweg vom Dorf entfernt liegt,
mag dazu beigetragen haben, dass einige als Steingräber
in den Stollen des Steinkaulenberges ihr Glück versuchten.
Andere errichteten selbst Schleifmühlen am Idarbach.
Wie die Chronisten berichten, sollen die Eigentümer der
Schleifmühlen „Am Katzenloch" größtenteils
Einwohner des Dorfes Hettenrodt gewesen sein. Das mag wohl
damit zusammenhängen, dass der Idarbach zwischen
Katzenloch und der Kirschweilerbrücke zum Teil die Banngrenze
von Hettenrodt bildet. zum Teil über den Bann selbst
fließt. Aber auch außerhalb des Bannes haben sie
Grundstücke zum Bau von Schleifen erworben, vor allem
oberhalb Katzenloch, wo die preußische Forstverwaltung
das Land auf beiden Bachufern besaß, wie das aus einem
Vertrag aus dem Jahre 1834 ersichtlich ist, in dem es u.a.
heißt:
Nach dem letzten Krieg hat sich Hettenrodt sehr zu seinen
Gunsten verändert. Die Grundlage bildete wiederum die
Edelsteinindustrie, sowie die Vollbeschäftigung in allen
anderen Erwerbszweigen. Deutsche Landsleute, die bedingt durch
die Folgen des zweiten Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten,
suchten auch in Hettenrodt Wohnraum. Die Wohnungsnot wurde
immer größer. 1952 errichtete die Gemeinde ein
Haus, in dem 4 Flüchtlingsfamilien Unterkunft fanden.
1953 wurden zwei Schwedensiedlungen (so genannt. weil die
Holzhäuser von der schwedischen Regierung gespendet wurden)
am Ortsrand errichtet und von zwei Bauernfamilien bezogen,
die auch aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Von diesen beiden
Siedlungen und von dem 1960 errichteten dritten Neusiedlerhof
aus wurden fortan die von den bäuerlichen Kleinbetrieben
aufgegebenen Wiesen und Äcker bewirtschaftet. Das Dorfbild
veränderte sich schnell. Scheunentore, die Ende der vierziger
Jahre beinahe an jedem Haus zu sehen waren, wurden durch Garagentore
ersetzt, Stallungen und Scheunen zu modernen Wohnungen umgebaut.
Die Straßen wurden, um dem immer stärker werdenden
motorisierten Verkehr gerecht zu werden, geteert; der gesamte
Ort in den Jahren 1965 - 1975 kanalisiert und die Straßenbeleuchtung
modernisiert.
Danach erfolgte die Erschließung mehrerer Neubaugebiete
Birkenweg, Struthwiese, Karrenweg, Unter dem Karrenweg und
am Dicken Stein. Auch wurden in diesem Zeitraum einige Kinderspielplätze
angelegt.
Was hat sich in den letzten 25 Jahren in unserer Gemeinde
getan: Im Jahre 1969 wurde mit dem Bau einer Leichenhalle
auf dem Friedhofsgelände begonnen. Mit der Erweiterung
des Friedhofs 1973 und dem Bau des Glockenturms 1980 wurde
die Friedhofsanlage vervollständigt.
Der Grundstein für das gemeindeeigene Lebensmittelgeschäft wurde 1972 mit dem Kauf des Anwesens Keppler in der Ortsmitte gelegt. Nach dem Abriß des Hauses 1983 entstand ein Lebensmittelgeschäft, das von der Ortsgemeinde ein Jahr später erworben wurde. Damit war Hettenrodt die erste Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die Eigentümerin eines Lebensmittelgeschäftes wurde.
1965 wurde der ehemalige Dorfweiher auf dem Kremel zu einem Schwimmbad ausgebaut und diente gleichzeitig als Brandweiher. Ende der 80iger Jahre wurde die Anlage in ein Biotop umgewandelt. Nach Gründung der Fußballabteilung im TVH wurde Anfang der 70iger Jahre eine neue Sportplatzanlage in der Taubheck errichtet. In unmittelbarer Nähe ist eine weitere Sportanlage besonderer Art entstanden. Der Golfclub Edelstein-Hunsrück konnte 1994 einen 9-Loch-Golfplatz einweihen. Diese Anlage liegt zum Teil auf der Gemarkung der Gemeinde Hettenrodt.
Wir gehören weiterhin der Verbandsgemeinde Herrstein
an. 1974 wurde dem Begehren eines Teiles unserer Bevölkerung
auf Angliederung an die Stadt Idar-Oberstein nicht entsprochen.
In einem Pilotprojekt wurden im Jahre 1983 alle 300 Haushalte
unseres Ortes an die Fernsehverkabelung angeschlossen. Zu
dieser Zeit zählte Hettenrodt etwa 700 Einwohner. Bis
heute hat sich die Zahl auf fast 800 erhöht. Die Raiffeisenbank
Idar-Oberstein, heute Volksbank-Raiffeisenbank, errichtete
im gleichen Zeitraum eine Bankfiliale in der Tiefensteiner
Straße.
Die Öffnung der Grenze in Deutschland war für uns
Anlass, eine Partnerschaft mit der Gemeinde Kleinneuhausen
in Thüringen einzugehen.
Das gesellschaftliche Leben wird in Hettenrodt von jeher sehr gepflegt. Bereits im Jahre 1874 wurde der Musikverein gegründet. Ihm folgte 1890 der Turnverein. In diesem Jahr kann der Männergesangverein auf 70 Jahre Chorgesang zurückblicken. Nach dem Kriege entstanden weitere Vereine wie der Verein der Hundefreunde, die Freiwillige Feuerwehr, der Frauenverein, der Ev. Frauenchor und seit einem Jahr die Interessengemeinschaft „Pro Hettenrodt". Seit dem Umbau des Saales Jung hatten unsere Vereine keine Möglichkeit mehr, ihre Veranstaltungen im Ort abzuhalten. Diese Tatsache bewog die Gemeinde zum Bau eines Bürgerhauses, dessen Einweihung am 25. August 1995 ein bedeutender Moment war.
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